Impressionen

14.08.2010 - fünfter Lauf zum ECC-2010

Wikipedia sagt: "Jülich entstand in römischer Zeit als Straßenstation entlang der Römerstraße von Boulogne-sur-Mer nach Köln (Via Belgica)." Die Via Belgica verband in der römischen Zeit als Fernstraße den Rhein und den Ärmelkanal von Köln nach Boulogne-sur-Mer. Ca. 60 km dieses überregional bedeutenden Bodendenkmals liegen heute auf rheinischem Boden, von dort läuft die Straße durch die niederländische Provinz Limburg über die Wallonie in Belgien und das Department Nord Pas de Calais zur Küste an den Ärmelkanal. Gebaut wurde die Trasse vermutlich zur Zeit des Kaisers Augustus (Imperator Caesar Divi filius Augustus, *23.9.63 v.Ch in Rom - +19.8.14 n.Ch. in Nola) und diente der West-Ost- Erschließung der eroberten Gebiete in den Provinzen Niedergermanien und Belgica. Im Rheinland durchquert die Römerstraße - ausgehend von Köln - Frechen, Bergheim, Elsdorf, Jülich, Aldenhoven, Baesweiler und Übach-Palenberg.

Soweit, so gut - von all diesen historischen Gegebenheiten wissen die wenigsten Teilnehmer des 14. Gold Race Indeland an diesem sonnigen Sonntagmorgen in Deutschland etwas. Sie treffen sich zu Papierabnahme und Frühstück in der Aula des Schulzentrums RURAUE und haben erstmal viel zu bereden - oder auch nicht.

Teambesprechung 9:30 Uhr und Vorstart ab 10:16 Uhr im Minutenabstand bringen die 61 Teams (47 Touring, 4 Youngtimer, 10 Sportler) in die Innenstadt Jülichs, zum Hexenturm. Hier ist Markt, hier sind Menschen und hier ist ein Startszenario mit ausführlicher Teamvorstellung aufgebaut - tolles Ambiente.

Raus aus der Stadt, nimmt der Tross die gleiche Richtung wie die Via Belgica, an Aldenhoven vorbei nach Südlimburg. Anders als die Römer vor 2000 Jahren, die von Zeit zu Zeit unverhofft von germanischen Stämmen in "Sonderprüfungen" verstrickt wurden, hat der Fahrtleiter heute ganz bewusst seine SPs in die Fahrtroute eingebaut. Und so absolvieren die Teams schon nach gut dreieinhalb Kilometern die erste Sollzeitprüfung.

Die Chinesenzeichen mit Kilometrierung führen nun zügig zum Blausteinsee, wo SP2 als Nullzeitprüfung (fahre über den Zielstrich, solange die Sekundenanzeige mm:00 anzeigt) wartet. Auf der gesamten Strecke sind natürlich Sichtkontrollen (Baumaffen) aufzuschreiben und zusätzlich wird ab und zu ein Stempel von fleissigen Händen in die Bordkarte gedrückt.

Traumhaftes Sommerwetter begleitet die Oldies über Alsdorf (Alte Römerstrasse - uups Via Belgica?), Eller, Würselen und Herzogenrath an die Peripherie Aachens, wo hinter Richterich SP3 als doppelte Sollzeitprüfung zu fahren ist: Teil1 - Zeit innerhalb eines Fensters von 1:20 und 2:00 Min setzen und diese Zeit in Teil2 bestätigen. Eigentlich recht interessant - leider gibt es einen größeren Stau beim Ablauf, der aber von der Fahrtleitung souverän abgebaut wird - alles wieder im Lot. Bei der Auswertung wird sich später herausstellen, dass einige der Messdaten nicht korrekt übermittelt wurden, weshalb diese SP dann leider neutralisiert werden muss - schade eigentlich.

Über Orsbach geht es nun auf malerischen Schleichwegen in die Niederlande, wo in Sippenaeken die verdiente Mittagsrast im Restaurant "Chez Brigitte" mit leckerem Baguette wartet. Hier kann man es aushalten und Brigitte ist auch nett.

Nach 45 Minuten geht's weiter. Es ist ja schließlich eine Mission zu erfüllen. SP4, in der Nähe von Hombourg, sieht auf dem Papier erstmal kompliziert aus: Fünffach-Sollzeitprüfung - 5 Abschnitts-Sollzeiten sind von Sekunden auf MinSek umzurechnen. Diese Zeiten müssen dann vom jeweiligen Team auf die eigene Startzeit bei der Prüfung addiert werden, um die individuellen Durchfahrtzeiten an den fünf Ziellinien zu ermitteln - alles klar?. Leichte Hektik im Cockpit am Start - dann Zeit herunterzählen bis Ziel 1 - gleiches Prozedere bei Ziel 2 usw. Wo sind die Zeitnahmen? Ein Schelm wer Arges vermutet: Nur an Ziel 4 wird die Zeit gestoppt und als Ergebnis erfasst - ok, why not?

Ach so - inzwischen sind wir ja schon in Belgien - Via Belgica eben. Montzen, Busch, Astenet und Hauset stehen an den Chinesen. Manchmal fühlt man die Römerstrassen tatsächlich im Popometer. Teilweise ist es so einsam und verträumt, dass man sich fragt: "Sind wir hier die ersten Besucher, nach den Römern?" Nein - Scherz - es ist nur erstaunlich, dass es in unmittelbarer Nähe zur quirligen Zivilisation(?), noch so abgelegene, malerische Fleckchen Erde gibt.

Apropos quirlig: Lichtenbusch, Schleckheim, Nütheim und der historische Ortskern von Kornelimünster sehen das rollende Museum genauso, wie Breinig, Mausbach und Werth.

Der "Große Indemann" ist Ziel des aktuellen Rallye-Abschnitts. Hier, am Wahrzeichen des Tagebaus Inden, wird Geschicklichkeit und Timing der Recken erneut getestet. SP5 - vorwärts nach rechts bis zur Markierung vorfahren - nach hinten links zurücksetzen und dann vorwärts übers Ziel fahren - alles in genau 36 Sekunden und keine Pylonen anrempeln! Nun, die Zeit reicht dicke und weiter geht's zum "Kleinen Indemann". Hier Stempel und Streckenänderung: Die geplante Durchfahrt über das Tagebaugelände geht nicht. Ab Zeichen 124 soll das Bordbuch wieder stimmen. Nur - Chinese 124 sieht viele fragende Gesichter und rotierende Teams. Hier passt ja gar nichts. Oder doch? Da steht doch die 61 in der Abzweigung!? Ja, durch die Streckenänderung wird Zeichen 124 von der Seite angefahren und nicht von unten (Punkt >> Pfeil). Das führt natürlich zu Irritationen. Einmal gecheckt, passt plötzlich wieder alles und der  RICHTIGE Weg zum Ziel ist ganz einfach.

Vor dem Ziel hat die Fahrtleitung im Gewerbegebiet Inden Pier aber noch SP6 eingebaut. Eine recht neckische Prüfung mit kleinen Kartenausschnitten und einer Überlappung von Bild 7 auf Bild 8. Die erkennt nicht jeder und so fehlt manchem Team einmal die 19 und ein weiterer Stempel.

Über Schophoven und Kirchberg ist es nicht mehr weit bis zum Ziel in der Innenstadt von Jülich. Die Teams werden mit Sekt belohnt und ausführlich präsentiert, bevor es wieder zurück zur Aula des Schulzentrums geht.

Hier ist erstmal relaxen angesagt. Dann gibt es reichhaltiges Buffet und schon bald folgt die Siegerehrung, die das Starterfeld ins "rechte Licht rückt". "Herzlichen Glückwunsch!" sagt der Chronist in Richtung der Siegreichen und "Toll, dass ihr dabei wart!" zu allen Teilnehmer des 14. Gold Race Indeland entlang der Via Belgica. Die müsste man vielleicht mal bis zum Ärmelkanal fahren - oder!?

Durchweg zufriedene Teilnehmer machen sich auf den Heimweg. Es hat sich gelohnt, nach Jülich zu kommen und diese rundum gelungene Veranstaltung zu erleben. Und, gefühlt war es wohl der einzige Sonnentag im August 2010.

Herzlichen Dank an die Männinen und Mannen des MSC-Huchem-Stammeln und an alle Helfer, die das 14. Gold Race Indeland möglich gemacht haben. Das war schon toll!

Klaus Jansen
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