Impressionen
10.10.2010 - letzter Lauf zum ECC-2010
Es soll wohl eines der letzten goldenen Oktoberwochenenden werden, an diesem zweiten Sonntag im Oktober in Ostbelgien. Der Weg ins Königreich beginnt schon früh im Dunkeln und die Roadster-Fahrer frieren sich den Ar...m ab. Das Frühstück im Restaurant der Weser-Talsperre weckt die schläfrigen Limousinenfahrer und holt die Freiluftpiloten aus der Schockstarre. Vorsichtig lugt die aufgehende Sonne über die Baumwipfel und wirft goldene Strahlen in den See. Sieht alles sehr gut aus.
09:30 Fahrerbesprechung - 10:01 Start erstes Fahrzeug - es geht los. Roadbook und Test-Book (ein wahres Kunstwerk) gibt's kurz vor dem Start. Die Teams werden kompetent präsentiert und schon folgt der erste Test, wie hier in Ostbelgien die WPs (Wertungsprüfungen) heissen. Test 1 = vorwärts einparken, rückwärts einparken und dann Slalom bis zum Ziel - und zwar schnellstens, ohne Pylone zu schmeißen. Strafpunkte = gefahrene Zeit geteilt durch 10. Das Adrenalin steigt und kalt ist es plötzlich auch nicht mehr. War da ein Schild bzw. eine SK (Sichtkontrolle)? Das Roadbook führt per Transportetappe Richtung "Hohes Venn". Unterwegs ist Test 2 zu absolvieren, da links aus dem Kreisverkehr raus auf dem Parkplatz. War da nicht gerade rechts ein "F" in der Biege? Test 2 = Höhe des Fahrzeugs schätzen und die Posten mit der Schnur in 30 Metern Abstand entsprechend einweisen. "Toucher" = volle Punkte, sonst je cm Luft 0,1 Strafpunkt. Wieder durch den Kreisverkehr, 9 Uhr raus - ja da steht das "F" - weiter mit ...Transportetappe... - Abzweig St. Vith und DK (Stempelkontrolle) Botrange. Apropos Stempelkontrolle: Unterwegs hängen vereinzelt sog. Selbststempler; d.h. an einem ECC-Stempelschild ist ein Stempel angeleint, mit dem das nächst freie Feld in der Bordkarte vom Team selbst zu stempeln ist. Deshalb auch der Hinweis in der Nennbestätigung: Ein funktionierendes Stempelkissen mitbringen!
Wenig später ist Orientierung gefordert: Kartenausschnitt mit eingezeichneten roten Pfeilen - fahren sie die Punkte 1-7 in Pfeilrichtung auf dem kürzesten Weg an! OK - um Punkt 2 zu erwischen, erst mal über P3 fahren und dann noch mal zu P3. Das ist der Trick, um die SKs "O","L","O" und "P" einzusammeln.
"Rue des Etagns" und "Le Noir Tier" weisen den rechten Weg zu Test 3: Nullzeitprüfung mit SELBST-START - Zieldurchfahrt exakt zur vollen Minute. Das Roadbook führt auf malerischen Straßen und Wegen auf Karte 2 durchs "Hohe Venn" in Richtung Spa-Francorchamps. Test 4 = Sollzeitprüfung Hockai: Start zur vollen Minute; Strecke 3.000 m; Zeit exakt 4 Minuten.
5 km weiter passieren die Teams den "Circuit de Spa-Francorchamps" und fahren eine zeitlang parallel zur Rennstrecke. Hier um Stavelot sind die "Boucles de Spa" eine Herausforderung an Fahrwerk und Popometer. Dann Test 5 bei Ster: Nullzeitprüfung mit Selbst-Start. Die Luftaufnahme zeigt den Start und die erste Streckenführung. Wo ist denn das Ziel? Die Luftaufnahme ist längst "abgefahren" - immer noch kein Ziel. Was sagen die "Chinesen"? Mmmh - die passen eigentlich; vorsichtig weiterfahren. Hinter jeder Biege könnte das Ziel liegen und muss dann zur vollen Minute überfahren werden. Hier rechts ging es vorhin zum Start der WP und das "H" noch mal aufschreiben. Um es kurz zu machen: Das Ziel kommt einige Kilometer und ein "N" später; vertrackte Sache, dieser Test 5.
Rund 30 testlose aber extrem kurvige Kilometer weiter wartet die Mittagsrast im "Five Points" auf die strapazierte Rallye-Truppe. Die Restart-Zeit steht schon fest: 60 Minuten nach idealer Ankunftszeit. Verspätungen verkürzen die Pause - bad luck!
Start "Leg 2" - ACHTUNG - ab jetzt sind auch die ersten beiden Buchstaben der WEISSEN BELGISCHEN Ortseingangs und -ausgangsschilder aufzuschreiben! RESET Kilometrierung - Parking Biemar - Test 6: Fahren sie innerhalb von 30 Sekunden exakt 1 Meter an die Absperrung heran! Je cm Abweichung gibt es 0,1 Strafpunkte.
Amel, Bütgenbach, Nidrum, Camp Elsenborn und Sourbrodt liegen auf der Strecke zu Test 7: Sollzeitprüfung über ca. 28 km in exakt 40 Minuten. Kalterherberg, Mützenich und Konzen werden passiert, bevor das Ziel im Gewerbegebiet Simmerath erreicht wird. "Vorzeit absitzen und dann zur rechten Zeit durchs Ziel fahren!" lautet die Parole. Und sogleich folgt Test 8 auf dem Gelände der großen Holzhandlung: Fahren sie einmal um den Holzlaster und dann genau nach 50 Sekunden durchs Ziel! Na gut!
In Roetgen wird wieder belgisches Territorium geentert und über Raeren der Weg nach Eupen eingeschlagen. Der Schlenker über den Parkstreifen im Wald irritiert etwas, denn hier steht die erwartete SK NICHT. Grachtstrasse, Kinkebahn, Gewerbestrasse; dann Test 9 - die letzte WP. Hier sind Zuschauer. Hier gibt es etwas zu sehen. Hier glüht der Asphalt. Hier kann man "die Kuh 'mal richtig fliegen lassen": Slalom um 8 Pylone; Schlenker in den Wendehammer (im Uhrzeigersinn); Slalom um 3 weiter Pylone; einmal rund um den Kreisverkehr (zweimal "H" aufschreiben); raus durchs Ziel und dreimal hupen. Und das alles in 50 Sekunden! Die Zuschauer haben ihren Spaß und die Piloten teilweise auch.
Jetzt ist der Weg zum Ziel an der Weser-Talsperre die reinste Spazierfahrt. Begrüßung durch die "Rotkäppchen" und große Freude im Ziel. Ein Gläschen Sekt spült den Staub der Strecke aus dem Rachen. Geschafft!
Die Gastronomie fährt leckeres Buffet auf und "Oberrotkäppchen" Marc and family zelebrieren eine sehr emotionale Siegerehrung, wo Pokale und Ehrenpreise neue Besitzer finden. Alle spüren, mit wie viel Herzblut diese Eupen-Rallye organisiert wurde. Große Gratulation für diese tolle Veranstaltung und herzlichen Dank für das große Engagement.
Und wie ist es ausgegangen?
Den Gesamtsieg fahren Bernd Dahmen und Peter Widdra auf Porsche 356 SC ein, gefolgt vom Team René Goebbels / Tina Stange auf VW Golf 1 und Alexander Kremer mit Klaus Schewior auf dem BMW 1802.
Herzlichen Glückwunsch!
Und damit ist auch die Entscheidung im Euregio-Classic-Cup gefallen:
Alter und neue Meister im ECC sind Alexander Kremer und Klaus Schewior mit 52,23 Punkten.
Die Vizemeisterschaft geht an Klaus Derondeau und Katrin Alfke mit 51,52 Punkten.
Platz 3 und damit Bronze für Peter Widdra mit 50,65 Punkten.
Ganz herzliche Gratulation an die neuen Gewinner des Euregio-Classic-Cups 2010 und ebenso herzliche Gratulation allen, die beim ECC2010 mitgemacht und -gefahren haben/sind.
Aber das letzte Ruhmeswort ist noch lange nicht gesprochen. Auf der Meisterschaftsfeier am 20.11.2010 werden mit Sicherheit noch einige gesagt werden. Das wird ein "fettes Fest"!
Klaus Jansen
medien@euregio-classic-cup.de

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